Die Erosion des Kategorischen Imperativs
Das verstehe ich nicht. Der Mensch soll gut sein und nicht böse. Ein Überbleibsel der Rest-Ethik dieser Gesellschaft. Videospieler können aber aus einem riesigen Stapel an Spielen auswählen, um ihre böse Seite auszuleben. Mein Thema sind nicht die vielen Egoshooter wie Counterstrike oder Unreal Tournament. Sie seien wegen ihrem mehr sportlichem Charakter ausgenommen. Spiele wie Hitman oder GTA hingegen stellen die letzten Werte der Menschheit in Frage. Nein, ich glaube nicht daran, dass diese Spiele das Böse im Menschen verstärken. Oder vielleicht doch?
Oft sind diese "Verstöße" nicht ganz offen gelegt. Fahren wir doch mal mit einem Auto in Need for Speed Underground 2 ein Rennen. Ist das nicht illegal was wir da tun? Würden wir nicht in der Realität massiv andere Menschen gefährden mit solchem "Spaß"? Hinzukommt, dass ein Crash gar keine negativen Folgen für mich als Handelnder hat. Also Fun pur. Vielleicht doch nicht. Vielleicht animiert es Jugendliche zu StVO-Verstößen und am Ende liegt ein Kind tot auf der Straße?
Vor allem solche erfolgreichen Spiele wie GTA geben einem zu denken. Die Protagonisten dieses Spiels werden massenweise tagtäglich und ohne zu hinterfragen vor allem von Jugendlichen durch virtuelle Verbrecherwelten gesteuert. Klauen, rauben, morden für die eigene Karriere. Sogar Drogen werden verkauft, damit am Ende die Kasse stimmt und der Aufstieg winkt. Da braucht man keinen Ausbildungsplatz mehr. Eine verruchte Alternative für Gescheiterte. Jedenfalls im Spiel.
Da wäre auch noch Nr. 47. Geld verdienen mit Mord statt Blumenverkauf. Am besten hat das Opfer gar keine Chance, sich zu wehren. Von hinten anschleichen und mit einem Drahtseil brutal erwürgen. Stellt sich irgendein Hitman-Spieler vor wie das in der Realität aussehen würde? Wie sich das anfühlen würde? Das Wehren und Zappeln, das Nach-Luft-Schnappen, die Geräusche des Todes. Nein, das könnte wohl keiner der Spieler in der Realität ertragen. Im Spiel wird aber geplant und ausgeführt, was in der Realität verabscheut und gemäß dem Kategorischem Imperativ verfolgt wird.
Dann gibt es diese indizierten Spiele, deren Namen ich nicht nennen werde. Diese haben alle nur eins als Ziel: So viel Brutalität und Böses präsentieren und aktiv ausführen oder daran teilhaben lassen. Solche Spiele sind wirklich nur für Menschen, die schon dermaßen abgestumpft sind, dass sie noch nicht mal die absolute Langweiligkeit registrieren. Sie sind aber wegen ihrer geringen Verbreitung nicht so relevant wie GTA oder Hitman.
Mir blutete ja schon das Herz, als ich in World of Warcraft massenweise arme geflüchtete Murlocs abschlachten musste. Nur weil ich ein dutzend Flossen benötigte. Vor allem war das Gemetzel auch sinnlos, weil seltsamerweise nicht jeder Murloc eine Flosse hatte. Koletaralschaden anders. Der Fantasy-Rahmen diente hier immer als Beschwichtigung.
Es existieren keine aktuellen Studien über Folgen von gewaltbetonten Computerspielen, die in irgendeiner Form etwas nachweisen oder belegen würden. Für Langzeit-Auswirkungen weniger, als für Kurzzeit. Deshalb verwehre ich mich vor einer allwissentlichen Schlussfolgerung.
Moralisch-ethisch ist das ganze schon fragwürdig. Sowohl an die Hersteller als auch an die Spieler gerichtet. •

@Albert: Sorry, aber das wollte ich nicht
Der Beitrag ist auch aus einem ganz anderen Zusammenhang enstanden. Vor einiger Zeit hat mir ein Bekannter erzählt, dass er irgendwie eine Handylieferung aus Versehen zwei mal erhalten hat. Er hat das zweite einfach behalten und später verkauft. Da dachte ich daran wie leicht es ist bestimmte Werte über Board zu werfen, wenn es dem eigenen Interesse dient. die letzten Tage dann habe ich Beiträge darüber gelesen welchen Charakter so GTA hat. Da war mir pötzlich bewußt, wie unbewußt uns so einiges ist.
Aber in GTA rennen so viele Homies rum. Wenn man in RL selber keine hat findet man eben dort welche.
interessante Sichtweise, die ich auch gut nachvollziehen kann. Jetzt kommt natürlich das aber:
So eine gewisse Polemik sehe ich schon aus Deinen Zeilen hervorleuchten. Na klar, es geht ja auch um Ethik, und Begriffe für "gut" und "böse" hat unsere Sprache zuhauf. Ich finde aber, Du machst es Dir etwas zu einfach. Es ist schon einleuchtend, dass unsoziales, rücksichtsloses oder sogar brutales Verhalten in Spielen solches Verhalten auch in der Realität hervorrufen könnte.
Aber: Das ist letztlich nur ein Analogieschluss. Wie Du auch (etwas sehr knapp) am Ende des Artikels schreibst, gibt es eben keine wissenschaftlich belastbaren Nachweise dafür. Dafür aber genügend Erklärungsversuche, von denen manche sogar gegenteilige Auswirkungen (Stichwort Katharsis) annehmen. Angesichts der Popularität solcher Spiele scheint es doch dem (in äußerem Frieden lebenden) Menschen ein Bedürfnis zu sein, mal so richtig evil abzufahren. Im Gegensatz zu Dir habe ich damit keine moralischen Probleme.
Ich bin allerdings durchaus (und wahrscheinlich mit Dir) der Meinung, dass entsprechende Spiele in den Händen von Kindern nichts verloren haben - genauso wie die Filme, die längst Mainstream sind. Aber ich halte mich selbst für mündig und realitätsfest genug, um meinen Spaß auch mal auf der dunklen Seite zu suchen. Denn ich weiß, dass es nur ein Spiel ist...
Ansonsten: Schön, mal was fundiertes zu einem Thema zu lesen, dem in meiner Altersklasse eher (noch?) mit Unverständnis begegnet wird. Ich schätze mal, dass Computerspiele in zehn Jahren so sehr Allgemeingut sind wie heute das Fernsehen. Hoffentlich muß ich meinen Eltern dann nicht noch Spiele beibringen!
Aber ich runzel schon die Stirn, wenn ich jemanden einfach mal mit dem Schürhaken virtuell erschlagen muss. Und das nicht aus Notwehr, sondern einfach nur für Geld.
Was ich im Kern mit dem Beitrag eigentlich sagen wollte ist eine Frage: Denkt ihr über Gut oder Böse beim Spielen nach?
antigames.de
Bei dem hier könnte ich es mir allerdings schon vorstellen: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/16/16968/1.html
Aber ich finde auch der Artikel in Telepolis wagt es nicht in eine gewagte Position zu treten. Das moralisch-ethische Terrain ist eben zu unsicher für heutige Intellekte. Die Verteidigungsmechanismen sind hier zu unterentwickelt. Auch bei mir.
Der Autor beschreibt dieses Mistspiel, das übrigens von fast den selben Leuten gemacht ist wie GTA, wie einen schlechten Film oder ein verissenes Buch. So weit sind sind unsere Werte schon mal errodiert.